Viele Wege führen …

Gespräch mit der Moderatorin Ulla Zierau

SWR 2 am Morgen · 07.08.2009

Gespräch mit der Autorin Astrid Riese, Moderation Ulla Zierau, Riese hat ein Tagebuch geschrieben über ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin bei Frauen der JVA Vechta „Viele Wege führen nach draußen“.

Quelle: SWR


DRS2 · Schweizer Radio

Parlando · 14.03.2010

Für das Schweizer Radio DRS 2 hat Irene Suchy innerhalb der Reihe „Parlando“ eine fast einstündige Sendung unter dem Titel: „Viele Wege führen nach draussen“ – Musik im Gefängnis produziert. Die letzten 20 Minuten der Sendung sind dem Buch gewidmet.

Sendung: Parlando

 

Klavierunterricht hinter Gittern · Ein Tagebuch

Viele Wege führen nach draußen …

Gefängnisse sind keine bevorzugten Stätten künstlerischer Erfahrung, denkt man. – Astrid Riese weiß diese Annahme zu widerlegen. Die Klavierpädagogin hat sich aufgrund eines Auftrags der „Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation“ in eine JVA für Frauen begeben, um dort neue Schülerinnen zu finden und ihnen mit dem Zugang zum Klavierspiel neue persönliche Perspektiven zu eröffnen.

Viele Wege

Ihre Erlebnisse hat sie in einem Bericht niedergelegt, dessen Tagebuchform das abenteuerliche Projekt so authentisch wie individuell vergegenwärtigt.

Astrid Riese nimmt den Umweg über die Kunst: Die sozialpädagogische „Mission“ ist hier gekleidet in das Gewand des Umgangs mit der Musik, das Eis entsprechend schnell gebrochen und eine Begeisterung entfacht, die den Häftlingen neue Wege aufzeigt – vielleicht auch die nach „draußen“.

Mit ihrem Credo „Musik ist Kommunikation“ wendet sich die Pädagogin von Anbeginn gegen die „Einzelhaft am Klavier“ und schafft neben dem musikalischen Know-how bald eine bleibende Grundlage für zwischenmenschliche Begegnungen. Indessen gilt es, so manche Hürde im „Behördenalltag“ zu nehmen.

Der Klavierunterricht als solcher geht zumeist sehr profund und ernsthaft vonstatten. Vermittelt werden technische Fertigkeiten ebenso wie musikalisches Hintergrundwissen für Anfängerinnen, die die meisten Häftlinge nun einmal sind. Doch Astrid Rieses Augenmerk gilt vor allem auch dem Menschen, und ihre Bemühungen tragen rasch Früchte, denn an Wünschen und Zielen mangelt es den Elevinnen nicht: Man übt und übt und erprobt sich bei Vorspielen und bald auch im Konzert. Rund um das Klavier etabliert sich auf der einen Seite ein geselliges, hoffnungsfrohes Miteinander und es bewahrheitet sich gerade hier ein bekanntes Gesetz: Das Leben ist kein leichtes, und was allein erhält, das ist die Kunst.

(Pressetext von Virginia Tutila)

Erschienen im STACCATO-Verlag, Juli 2009 (185 Seiten).

ISBN 978-3-932976-35-3
Preis: 18,00 € (D), 20,00 € (A)

 

Nordwest-Zeitung, 24. Juni 2009

Musik fördert Selbstwertgefühl

VOLLZUG „Viele Wege führen nach draußen …“ – Ein Tagebuch aus dem Gefängnis. Astrid Riese berichtet über ihre Erfahrungen beim Klavierunterricht mit Frauen hinter Gittern. Sie will zu Diskussionen anregen.

Von CHRISTOPH FLOREN, Nordwest-Zeitung.

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Ein ganz besonderes „Knasttagebuch“ hat Astrid Riese geschrieben. Am Dienstag, 23. Juni stellte die Lohner Musikpädagogin im Konferenzraum der Vechtaer Justivollzugsanstalt (JVA) für Frauen, An der Propstei 10, den Band „Viele Wege führen nach draußen … Klavierunterricht hinter Gittern“ vor.

Die mit Zeichnungen einer befreundeten Künstlerin illustrierten Erinnerungen (Startauflage: 1.500 Exemplare) sind im STACCATO-Verlag erschienen. Sie bieten dem Leser Erlebtes, aber auch mit Inhaftierten über zwölf Monate Durchlebtes. Es sind Momentaufnahmen aus einem Jahr, in dem Riese zu ihren Schülerinnen ins Gefängnis fuhr, Ansätze für die Debatte vom Drinnen und vom Draußen.

Die Erfahrungen aus dieser Zeit bezeichnet Riese, die ihren Beruf seit 25 Jahren ausübt, als „eine Erweiterung meines pädagogischen Horizonts“. Im persönlichen Umgang mit den Schülerinnen, die sich oft als hochsensibel erwiesen, hat sie die Überzeugung gewonnen, dass dieser Form des Klavierunterrichts „eine wichtige Aufgabe“ zukommt. So nennt sie das Projekt im Vorwort „ein Abenteuer, das bis heute unerhört spannend ist“.

„Viele Wege führen nach draußen …“ soll nach dem Willen der Autorin Diskussionen anstoßen, die zur Enttabuisierung des Themas Frauen in Haft beitragen. Den Weg dorthin können Lesungen – auch vor Ort – ebnen.

Klavierstunden für Häftlinge erteilt Riese in der JVA-Frauen (Vechta) seit April 2006. Bis Ende März sicherte eine Stiftung die Finanzierung. Derzeit engagiert sie sich ehrenamtlich. Die Schülerinnen, sechs Frauen, beteiligen sich nach ihren finanziellen Möglichkeiten. In der Haftanstalt beträgt ein „Monats-Durchschnittsverdienst“ etwa 150 Euro.

Zwei Benefizkonzerte in der Klosterkirche Am Franziskanerplatz (5. September, „Szenzareplica“, Bläserphilharmonie Varel; 13. September Kammerorchester Lohne) sollen das Resozialisierungsangebot sichern helfen.

 

Oldenburgische Volkszeitung, 06. November 2008

Klavierunterricht hinter Gittern

Berufsmusiker und Inhaftierte rühren mit Konzert Werbetrommel für erfolgreiches Konzept.

Anja Burkhardt läßt ihren Sopran mal schmettern, mal wispern und macht den Basketballkorb, der über ihr hängt, vergessen. Die Sängerin verwandelt neben Johannes Erkes (Viola) und Isabel Lhotzky (Klavier) an diesem Freitagnachmittag den Gymnastikraum der Justizvollzuganstalt (JVA) für Frauen in einen Konzertsaal, und das hat seinen Grund.

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Die drei Berufsmusiker touren derzeit im Auftrag der Internationalen Stiftung für Kultur und Zivilisation, München, durch Haftanstalten in ganz Deutschland, die Inhaftierten die Möglichkeit bieten, Klavierunterricht zu nehmen. Eine der 13 Einrichtungen, die dieses Projekt der Stiftung aufgegriffen hat, ist die JVA für Frauen in Vechta. Zwischen den Zuhörern des Konzerts sitzt Astrid Riese. Die an der Musikschule Lohne tätige Klavierlehrerin hat seit Projektstart 2006 rund 30 Schülerinnen hinter Gittern unterrichtet. Derzeit sind es 4 Frauen, die jeweils freitags Einzelunterricht erhalten. Zwei von ihnen tragen an diesem Nachmittag mit ihrem Spiel zum Konzert bei. Ihr Auftritt ist gleichzeitig eine Werbung um finanzielle Förderer für die Fortführung des Projekts. Denn die Unterstützung durch die Stiftung läuft aus.

Astrid Riese hofft aber, weiterhin inhaftierten Frauen das Tastenspiel beizubringen – nicht nur aus Liebe zur Musik: „Die Frauen müssen Verantwortung für ein Instrument übernehmen, bekommen ein Regelwerk an die Hand.“ Für Riese bedeutet der Klavierunterricht hinter Gittern einen wichtigen Beitrag zur Resozialisation der Teilnehmerinnen.

Toll findet Riese, dass eine ihrer Schülerinnen mit einer Spende von 200 € zum Erwerb eines guten gebrauchten Pianos beigetragen hat, auf dem jetzt Isabel Lhotzky die Begleitung zu Mendelsohn-Bartholdys Lied „Lieblingsplätzchen“ anstimmt. Andere Schülerinnen hätten sich eigene Keyboards angeschafft, um mit Kopfhörern in ihren Zellen zu üben, erzählt die Musiklehrerin.

Vom Engagement Rieses und ihrer Schülerinnen haben sich bereits der Rotary Club – er spendete Geld – und eine Kirchengemeinde anstecken lassen, die ein E-Piano der JVA überließ. Damit es aber weiterhin „Hausmusik“ und Konzerte in der JVA gibt, werden die Pianistinnen jetzt häufiger die Werbetrommel rühren.

 

Nordwest-Zeitung, 12. Mai 2007

Klavierunterricht hinter Gittern

Vollzug · Musik fördert Frauen in Haft beim Aufbau ihres Sozialverhaltens

Von CHRISTOPH FLOREN, Nordwest-Zeitung.

Vechta zählt zu den bundesweit 13 Projektstandorten. Die Insassinnen müssen Durchhaltevermögen zeigen. Freitag, 12 Uhr, in der Justizvollzugsanstalt für Frauen, An der Propstei 10: Die Lohner Musiklehrerin Astrid Riese bittet die erste Schülerin ans Klavier. Kaum sind die ersten Klänge zu hören, öffnet die stellvertretende Anstaltsleiterin Petra Huckemeyer ihr Bürofenster. Sie mag Musik. Aber vor allem schätzt sie das seit einem Jahr laufende Angebot „Klavierunterricht hinter Gittern“. Für 30 Minuten erleben so derzeit sieben Insassinnen ein Stück normales Leben.

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Das Frauengefängnis Vechta gehört zu den bundesweit 13 an diesem Projekt teilnehmenden Anstalten. Die Finanzierung sichert die 1995 von Erich Fischer (München) gegründete Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation.

Für Riese ist diese Arbeit an diesem Ort „sehr spannend“. Von ihren Schülerinnen, denen sie unvoreingenommen begegnet, erwartet sie Durchhaltevermögen und Disziplin. Dafür bietet der in der Regel als Einzelstunde gewährte Unterricht den Frauen Gelegenheit zur Kommuniktaion und zum Aufbau von Sozialverhalten.

Während der Woche regelt ein „Übungsplan“ die Klaviernutzung. Das Instrument steht an vier Tagen jeweils von 16.00 bis 19.30 Uhr zur Verfügung. So hat jede Teilnehmerin Gelegenheit, sich vorzubereiten. Um der Redensart „was nichts kostet, ist auch nichts“ entgegen zu wirken, hat sich Riese etwas einfallen lassen. Bei den regelmäßigen Vorspielen wird eine Kollekte gehalten. Dann spenden die Schülerinnen anonym. So ist schon fast das Geld für ein gebrauchtes Keyboard zusammengekommen. Zum Einjährigen um viele Erfahrungen reicher, hat Riese einen Wunsch: Sie sucht Sponsoren für ein zweites, besseres Klavier.

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