Hier ein Foto mit meiner Kollegin Stefanie Lampe-Mutnjakovic.
Wir bieten Klassenmusizieren für Streicher in Grundschulen an.
Kursnummer: 419/09 – Frisch gestrichen in Kooperation mit dem Heinrichshofen's Verlag, Dozentin: Astrid Riese
Termin: Samstag, 07. November 2009, 10:00 - 17:00 Uhr
Veranstaltungsort: Räume der Landesmusikakademie
Weitere Infos zum Kurs: http://www.landesmusikakademie-berlin.de/
Mindestens 10 Teilnehmer, 30 Plätze, Kosten: 35,00 €
Anmeldeschluss: 23. OKTOBER 2009
Im Vorwort zum Lehrerheft „Frisch gestrichen, Band 1“ verweise ich auf die Notwendigkeit, sich einer mehrphasigen Rolland-Fortbildung zu unterziehen, um den Unterricht von Streicherklassen erfolgreich praktizieren zu können.
Wie aus meiner „Vita“ hervorgeht, habe ich diese Schulung absolviert. Da meine pädagogische Zielgruppe jedoch – im Gegensatz zum amerikanischen Vorbild – die Grundschule besucht, bestand und besteht weiterer Informationsbedarf.
Deshalb habe ich, nachdem ich den speziellen methodischen Aspekt des Kinderkontrabasses bei Nele Weißmann (VdM-Fachbeauftragte für Kontrabass) und Michael Pöhlmann kennenlernte, diesen in mein Werk einfließen lassen.
Erste Anfragen, mein Konzept selber vorzustellen, liegen vor. Aus diesem Grunde habe ich diese Website gestartet, auf der ich alle Interessenten ausführlich darüber informieren möchte.
Vier „Minibassisten“ aus der
Streicherklasse Vechta
Der Aspekt „Pädagogischer Umgang mit Kindern“ soll dabei besonders beleuchtet werden und das am liebsten anhand einer mir fremden Schülergruppe innerhalb einer offenen Unterrichtsstunde.
Nele Weißmann regte mich an, im Rahmen eines Kontrabassforums einen Vortrag über die Problematik des Gegensatzes „Andere Streichinstrumente – Der Kontrabass“ zu halten.
Aus der Initiative „Pro-Kontrabass“ trug ich das Bonmot nach Hause: „Bass ist nicht alles, aber ohne Bass ist alles nichts!“
Für das Klassenmusizieren ist meiner Ansicht nach das „Team-Teaching“ von ganz entscheidender Bedeutung, da es in optimal praktizierter Form auf jede persönliche Eitelkeit verzichten muss, um erfolgreich zu sein.
Sprechen Sie mich an – ich freue mich auf Ihren Kontakt.
Von ASTRID RIESE · Publiziert in: Kontrabass-Arbeitshilfe
Die Streicherklasse stellt eine Alternative zur traditionellen Instrumentalausbildung in Kleingruppen oder als Einzelunterricht dar, ohne diesen ersetzen zu können. Das Konzept basiert auf dem Modell, das der Ungar Paul Rolland in den sechziger Jahren erfolgreich in den USA entwickelt hat.
Neben zahlreichen Bläserklassen, aus denen die „Marching Bands“ der High Schools hervorgingen, hat sich auch eine Streicherklasse als beliebte Unterrichtsform etabliert. Hier werden die vier Instrumente Geige, Bratsche, Violincello und Kontrabass in einem sogenannten „Team-Teaching“ parallel unterrichtet.
Normalerweise übernehmen zwei Pädagog(inn)en diese Aufgabe, wobei jeweils eine Lehrkraft der Klasse Aufgaben stellt, während der Kollege quasi als „stummer“ Assistent die Fehlhaltungen der Schüler(innen) korrigiert und bei sonstigen Problemen („Wo sind wir gerade? Auf welcher Saite welcher Finger wie? etc.“) behilflich ist. Die Rolle des Unterrichters und des Assistenten soll mehrfach innerhalb einer Unterrichtsstunde wechseln.
Um diese Unterrichtsform zu beherrschen, wird dringend empfohlen, sich einer anderthalbjährigen Fortbildung über sechs Wochenendphasen zu unterziehen, in der neben dem Rolland-Konzept die Grundkenntnisse aller Streichinstrumente erworben werden, die notwendig sind, um auch „fachfremden“ Schüler(inne)n Anweisungen geben zu können.
Die ideale Pädagogenkonstellation für die Leitung der Streicherklasse besteht aus einem „tiefen“ und einem „hohen“ Streicher, wobei dann natürlich nicht jedes Instrument hauptfachmäßig abgedeckt ist.
Das Angebot Klassenmusizieren umfasst einen Zeitraum von zwei Jahren. In dieser Zeit werden spiel- und notenlesetechnische Grundkenntnisse auf den Instrumenten erlernt: Von der ersten Unterrichtsstunde an wird gemeinsam musiziert und auf diese Weise soziales Gruppenverhalten trainiert. In den allermeisten Fällen wird unisono gespielt. Um den Klang harmonisch aufzupeppen, empfiehlt es sich jedoch, ein Harmonieinstrument – bevorzugt Klavier, aber auch Gitarre – mit einzubeziehen.
Das Unterrichtsmaterial, das aus den USA in deutscher Übersetzung vorliegt, ist sicherlich vielfach erprobt und bewährt – es hat nur den Nachteil, dass die Quartenstimmung des Kontrabasses und die damit verbundene andere Spielweise nicht berücksichtigt wird, und dass es in seiner eher trockenen und spröden Form die Zielgruppe 6- bis 8-jährige Schüler/innen nicht erreichen kann. Kinder dieses Lebensalters sind üblicherweise noch nicht so abstraktionsfähig.
Sie benötigen eine bildhafte Ansprache, um Lerninhalte verinnerlichen zu können. Auf die Musik bezogen: Kinder wollen keine Fingerübungen und Etüden, sondern Geschichten und Lieder.
Aus meiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit Kindern habe ich ein musikalisches Konzept erstellt, das aus fünfzig eigenständigen „Kompositionen“ und zwanzig traditionellen Liedern und Kanons besteht.
Nach der ersten Phase – Beherrschung der leeren Saiten – kommen Zweitonlieder, wobei alternativ mit 0/1 oder mit 0/2-3-4 (je nach Streichinstrument) begonnen werden kann. Dann folgt die Verknüpfung beider Finger mit Leersaite. Bei der Einführung des 3. Fingers auf Violine/Viola bzw. 4. Fingers Violoncello geht der Kontrabass leer aus – für ihn kommt keine Innovation. Deshalb folgt dann sehr früh die Mollterz – für den Kontrabass der zweite Finger. Im traditionellen Geigenunterricht ist diese Mollterz – tiefer 2. Finger – wesentlich später dran.
Nach zwei Jahren sind viel Spielstücke und Lieder festes Repertoire der Klasse. Ich verzichte darauf, von den Kindern Notennamen zu fordern – sie müssen lediglich die Namen der Leersaiten und die Fingersätze wissen. Ich setze die Vorzeichen auch nicht als Tonart an den Anfang der Notenzeile, sondern durchgängig vor die Note, auf die sie sich beziehen (allerdings pro Takt nur einmal – also nicht zwei Kreuze hintereinander bei zweimal fis!).
Lernziel nach zwei Jahren: Violine/Viola 1. und 2. Griffart; 1. Lage eng; Kontrabass: 1. Lage. Für alle Schüler(innen): 4/4tel-, 3/4tel, 6/8-Takt; anspruchsvolle rhythmische Muster, Synkopen.
Jedes meiner Stücke hat von mir einen Text bekommen, der a) den Rhythmus vermittelt und b) das Kind des 21. Jahrhunderts direkt interessiert und anspricht.
Beispiel: Heinz und Florian fahren gerne mit der Eisenbahn, Kai und Bastian kommen lieber mit dem Skateboard an.
Der Rhythmus: Halbe - Halbe / Viertel - Viertel - Halbe / vier Achtel - Viertel -Viertel / Viertel - Viertel - Halbe.
Wir unterrichten zweimal in der Woche jeweils im Rahmen der Betreuungszeit (Verlässliche Halbtagsschule) von 12.30 bis 13.15 Uhr. Dazu kommt für uns eine knappe halbe Stunde Vorbereitung, in der wir den Raum einrichten und die Instrumente stimmen.
Die Schüler(innen) sitzen in einem großen Halbkreis, die Instrumente (Geigen und Bratschen mit Etuis) links neben ihrem Stuhl. Eine Unterrichtsstunde besteht immer aus fünf bis sechs verschiedenen Themen.
Zu Anfang ein Bewegungsspiel, bei dem die Kinder durch den Klassenraum gehen; dann eine kurze Wiederholung des neuen Stoffs der letzten Stunde; anschließend ein neues Lied oder eine neue Liedzeile, dann ein Bewegungslied (gerne mit Quatschtext: Z.B. „Das Auto von Lucio“ o.a. siehe Grundschulliederbuch „Kolibri“); dann eine Wiederholung älterer Lieder; abschließend die „Liederampel“ nach Michael Pöhlmann mit Kindern als Dirigent(inn)en.
Natürlich sind die Kinder nach einem langen Schulvormittag ausgepowert. Schon aus diesem Grund können wir keine große Erwartung an ihre Konzentrationsfähigkeit stellen. Dennoch: Wenn es um Vorbereitung eines Auftrittes geht, erleben wir immer ein Höchstmaß an Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Es ist ein große Freude, zu beobachten, welche Verantwortung die Klasse für sich übernimmt.
Einige Schüler(innen) werden vermutlich aufhören. Einige Schüler(innen) werden vermutlich Interesse zeigen, weiterhin Musizieren als Gruppenerfahrung haben zu wollen. Für diese Klientel wird über ein weiterführendes Klassenorchester nachgedacht. Einige Schüler(innen) erweisen sich schon jetzt als hochinteressiert und müssen anschließend unbedingt im normalen Musikschulunterricht gefördert werden. Ich sehe in dieser neuen Unterrichtsform eine hohe Chance, ein wesentlich breiteres Schülerpotential für die eher exotischen Kinderinstrumente Viola und Kontrabass zu gewinnen.